Es fährt kein Zug nach Nirgendwo


Lange Zeit habe ich mich zurückgehalten. Mit einer persönlichen Meinung zum Ende der Städtebahn Sachsen und den katastrophalen Folgen, die sich daraus auf meiner "Heimatstrecke" - dem Sächsischen Schweiz Ring - zwischen Pirna - Neustadt in Sachsen und Sebnitz ergeben haben.

 

Bereits im Jahr 2018 begannen die Probleme bei der Städtebahn, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte. Dazu gab es in den einschlägigen Medien genug nachzulesen und was da hinter verschlossenen Türen zwischen VVO, Städtebahn und dem Vermieter der Triebwagen Alpha Train passiert ist, dazu sollte sich jeder seine eigene Meinung bilden.

Die Folgen waren ständige Zugausfälle, teilweise über Monate hinweg auf den Strecken Sebnitz - Neustadt und Neustadt - Pirna.

Als es dann im Frühjahr 2019 mal so aussah, alles könnte sich wieder normalisieren, habe ich im Mai das letzte Foto eines Städtebahntriebwagens bei Krumhermsdorf gemacht.

 

Ende Juli 2019 dann der Paukenschlag, die Städtebahn stellt über Nacht (laut VVO ohne Vorankündigung...) aus finanziellen Gründen den Bahnbetrieb komplett ein. So etwas hat es zuvor in Deutschland nie gegeben.

Die Reaktion des VVO folgt wenige Tage später, der Städtebahn wird der Vertrag gekündigt.

Nun ist der VVO in der Lage per Notvergabe einen neuen Streckenbetreiber zu benennen...

 

Verfolgte man die Meldungen in den sozialen Netzwerken zum Ende der Städtebahn, so machte sich vor allem bei den täglichen Nutzern der Züge nun so einiges an aufgestautem Frust der letzten Monate Luft. Denn auch die Schienenersatzverkehre funktionierten oft mehr schlecht als recht. Aber auch Hoffnung auf Besserung war zu vernehmen, nun konnte ja ein neuer Betreiber anrücken und schlimmer als mit der Städtebahn konnte es doch nicht werden, oder? Schließlich sollte der VVO doch aus dem Dilemma gelernt haben...

 

So schnell kann ein Foto historischen Wert haben. Mein letztes Foto eines durch die Städtebahn Sachsen betriebenen Regio Shuttle bei Krumhermsdorf. Im Mai 2019 waren die eklatanten Probleme des Betreibers zwar bekannt, aber ein baldiges Ende nicht absehbar.

Seit Ende Mai rosten hier nun die Gleise vor sich hin...

September 2019 - ein neuer Betreiber ist gefunden

Am 16.09.2019 gibt der VVO nach seiner Verbandsversammlung den neuen Streckenbetreiber bekannt, die Transdev Regio Ost GmbH.

Wieder nicht die DB, die wohl sofort in der Lage gewesen wäre mit eigenen Fahrzeugen und Personal anzurücken.

Die Gründe mal wieder die Kosten, erneut bekommt also der Billigste den Vertrag, wohl in der Hoffnung das Thema Städtebahn kann sich nicht wiederholen.

Das Versprechen ab Mitte Oktober werde es auf allen Strecken des ehemaligen Städtebahn-Netzes wieder rollen war wohl auch eine zu hastig formulierte Aussage, vielleicht wollte man aber auch die eh schon stark verärgerten Fahrgäste noch etwas besänftigen...

 

Denn was folgt, sind weitere Schienenersatzverkehre auf unabsehbare Zeit. Der Grund: Stark verschlissene und reparaturbedürftige Züge aus dem Städtebahnbestand. Und als wäre das nicht schon genug folgt auch gleich die Meldung der neue Betreiber hätte keine eigenen Werkstätten, um die Züge zu reparieren.

 

Folgende Fragen stellen sich nun dem aufmerksamen Beobachter, Fragen die auch auf Anfrage von mehreren Seiten an den VVO weitestgehend unbeantwortet bleiben:

 

- war die Städtebahn möglicherweise mit bedenklich defektem Rollmaterial unterwegs?

- waren die Fahrgäste womöglich gefährdet, wenn die Züge jetzt so kaputt sind, dass ewig auf Ersatzteile gewartet werden muss und kein Zugverkehr angeboten werden kann?

- waren dem VVO und dem neuen Betreiber die großen Schäden vor der Notvergabe bekannt?

- wusste der VVO, dass die Transdev keine eigenen Werkstätten hat?

- und: warum hat der VVO nichts, aber auch überhaupt nichts aus dem Städtebahndilemma gelernt?

 

Was hier seitens des VVO seit einem halben Jahr auf dem Rücken des Fahrgastes ausgehandelt wird ist untragbar!

Es stellt sich die Frage, welchen Stellenwert einige Strecken im Netz des VVO überhaupt noch haben.

Nun kommen auch wieder die Fragen auf: wird es überhaupt noch einmal für eine Wiederaufnahme des Bahnbetriebes auf dem so ungeliebten Streckenabschnitt Neustadt - Sebnitz kommen?

Und wie will der VVO die schwer verärgerte Kundschaft zurückgewinnen,

die wohl nun zum großen Teil wieder auf den eigenen PKW umgestiegen ist?

Immer wieder ist in den Medien von der Blechlawine zu lesen, die an jedem Wochenende die Täler und wenigen Parkplätze im Nationalpark Sächsische Schweiz verstopft. Ein gut ausgebauter Nahverkehr mit einem sinnvollen Takt (welcher Wanderer möchte 2 Stunden auf den nächsten Zug warten?) könnte doch hier schnell Abhilfe schaffen.

 

Die Insolvenz der Städtebahn war ein Ende mit großem Schrecken, doch was dieses Ende nun alles nach sich zieht, sucht seinesgleichen!

 

Zurück zur Normalität im Frühjahr 2020?

 

Nun ist es Anfang Dezember und der VVO kündigt in einer neuen Mitteilung an:

- Voraussichtlich ab 10.02.20 Aufnahme des Betriebes Pirna - Neustadt

- ab 02.03.20 Aufnahme des Betriebes Neustadt - Sebnitz

 

Möglich werden soll dies durch den Abschluss eines Instandhaltungsvertrages und den Einsatz zusätzlicher Triebwagen aus anderen Netzen der Transdev Group.

Ob es denn wirklich so kommt, daran möchte ich im Moment noch zweifeln.

 

Dass es bei dieser ganzen Geschichte für niemanden - außer der Städtebahn selbst - Konsequenzen gab, ist der größte Witz und für mich absolut nicht nachvollziehbar.

Nie war der Wunsch zurück zur guten alten Eisenbahn größer als jetzt.

Bleibt nur die Hoffnung auf die Rückkehr zur Normalität im Jahr 2020...

Ich werde auf jeden Fall hier darüber informieren!

 

Lichtblicke

Nur ein paar wenige Sonderzüge haben seit dem Stillstand die vor sich hin rostenden Schienen befahren, abschließend zu diesem Beitrag deshalb ein kleiner Rückblick. Wer wünscht sich angesichts dieser Bilder nicht die gute, alte Eisenbahn zurück???

Frohe Weihnachten!

Danke für den Besuch und bis zum nächsten Mal :)

"Gut Licht"!

 

Jens Vogel, Dezember 2019