Die Schwarzbachbahn

 

 

 

 

IV K Nr. 145 ( ehemals 99 555 ) zog vor 60 Jahren den Abbauzug durchs Schwarzbachtal. Zum 3. Bahnhofsfest Ende August 2011 kam sie zusammen mit einem Wagen aus dem Sachsenzug und einem gedeckten Güterwagen in Lohsdorf zum Einsatz. Foto: 28.08.2011

 

Zur Geschichte der Schwarzbachbahn

 

Die Schwarzbachbahn von Goßdorf-Kohlmühle nach Hohnstein war einst die einzige Schmalspurbahn in der Sächsischen Schweiz. Um den Gütertransport zu vereinfachen, bemühte sich Hohnstein seit etwa 1870 um eine verbesserte Verkehrsanbindung und mit dem voranschreitenden Eisenbahnbau in Sachsen ersuchte die Stadt um 1883 erstmalig nach einem Bahnanschluss. Dieser erste Versuch scheiterte allerdings am Einspruch von Prinz Georg und der zu dünnen Besiedlung am geplanten Streckenverlauf. Nach einer weiteren gescheiterten Petition um 1888 ( der Vorschlag vom Bahnhof Krumhermsdorf ausgehend die Strecke nach Lohmen zu bauen schied unter anderem aus topografischen Gründen aus ) folgte um 1891 der Vorschlag die Bahn durchs Schwarzbachtal zu planen. Dieser Idee wurde vom für Eisenbahnbauvorhaben zuständigen Finanzministerium schließlich zugestimmt. Im April 1892 begannen dann die ersten Vorarbeiten zum Bau der Strecke. Erste Planungen sahen von Kohlmühle bis zur Einmündung des Schwarzbaches in die Sebnitz den Bau eines Dreischienengleises vor, die aber hauptsächlich wegen des starken Verkehrsaufkommens auf der Sebnitztalbahn schnell wieder verworfen wurden. So sollte die Strecke in diesem Abschnitt schließlich parallel zum Normalspurgleis verlaufen. Am 15. Februar 1894 wurde der Bau vom Sächsischen Landtag bewilligt, die Bauarbeiten begannen allerdings erst im April 1896. Zwischen 300 und 500 Arbeiter kamen zum Einsatz und schon im Frühjahr 1897 war die Strecke fertiggestellt und konnte mit einem Prüfungszug am 28. April 1897 abgenommen werden. Am 01. Mai 1897 wurde die Strecke schließlich feierlich eröffnet.

Foto: Ein Zug mit Lokomotive IK im Bahnhof Hohnstein um 1907. Archiv: Axel Förster

Foto: Ein Zug mit Lokomotive IK im Bahnhof Hohnstein um 1907. Archiv: Axel Förster

Die Kosten für die gesamte Strecke beliefen sich am Ende auf 1.375.783,58 Mark. Der erste Fahrplan wies insgesamt drei Zugpaare pro Tag auf der Gesamtstrecke aus. Die Erwartungen an das Güteraufkommen waren beim Bau der Strecke noch groß, leider entwickelte es sich aber eher mäßig. So war die Strecke stets auf Zuschüsse angewiesen - ein Schicksal, das auch einige andere Schmalspurbahnen in Sachsen ereilte. Auch die Ansiedlung von Industrie an der Bahn gelang nicht ( dies war ein wichtiges Argument für den Bau der Strecke ). So gab es im Schwarzbachtal den auf anderen Strecken üblichen Rollwagenverkehr nie! Der dichteste Zugverkehr wurde in den 1930er Jahren abgewickelt. Vor allem Wanderer und Touristen nutzten damals die Bahn. Insgesamt war der Betrieb nie richtig rentabel und bereits 1939 geriet die Bahn bei einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung in Kritik. Die schon damals empfohlene Stilllegung wurde allerdings zunächst durch den Zweiten Weltkrieg verhindert, den die Strecke aber ohne nennenswerte Zerstörungen überstand.

Zwei Ansichtskarten aus dem Bahnhofsgelände von Goßdorf-Kohlmühle. Das Bild oben zeigt am unteren Bildrand einen ausfahrenden Zug mit IK Richtung Hohnstein ( um 1910 ). Das zweite zeigt den Blick vom Bahnhofsgebäude Richtung Bahnhofs-Hotel ( um 1915 ). Auf der ehemaligen Gleistrasse stehen heute mehrere große Bäume. Archiv: Axel Förster

Nach Kriegsende gab es für die Bahn einen kurzen Aufschwung, da die Sebnitztalbahn durch Brückensperrungen unterbrochen war und ihr Verkehr teilweise auf die Schwarzbachbahn verlegt wurde. Andererseits brachten sogenannte " Hamsterfahrten " der Linie viel Verkehr, so dass Reparationsdemontagen zunächst verhindert werden konnten. Trotz zunehmender Normalisierung des Lebens nach dem Krieg konnte an den Vorkriegstourismus nicht angeknüpft werden und die Beförderungsleistungen sanken sehr stark ab. Zusätzlich stand nur noch eine Schmalspurlokomotive zur Verfügung, so dass werktags Züge verkehrten und an den Wochenenden die nötigen Reparaturen durchgeführt werden mussten. Bei größeren Schäden an der Lokomotive ruhte der Verkehr ganz.

Das Bild oben zeigt einen gemischten Zug mit Lokomotive der Baureihe IV K beim Überqueren des Viaduktes am Schwarzberg vor Tunnel 1 Richtung Hohnstein ( um 1926 ).

Bild zwei zeigt eine typische Garnitur mit sächsischer IV K und Bahnpersonal im Bahnhof Hohnstein ( 1933 ).  Archiv: Axel Förster

Wegen des bereits genannten Rückgangs vom Verkehrsaufkommen wurde 1951 die Streckenstilllegung entschieden. Am 27. Mai 1951 fand letztmalig planmäßiger Zugbetrieb statt, wovon die ortsansässige Bevölkerung doch sehr überrascht wurde. Der beauftragte VEB Bergungsbetrieb Berlin begann am 01. Juni 1951 am Endpunkt Hohnstein mit der Demontage. Mit einem Abbauzug wurde die Gleise zur Weiterverladung in den Bahnhof Goßdorf-Kohlmühle gefahren. Bereits im September des gleichen Jahres waren sämtliche Gleise komplett abgebaut und nur die Hochbauten und Brücken blieben erhalten. Einige davon, sowie die beiden Tunnel stehen bis heute noch in teilweise gutem Zustand.

Das Bild oben zeigt eine typische Garnitur mit sächsischer IV K, ein Jahr vor der Streckenstilllegung kurz vor Hohnstein ( um 1950 ).

In der Mitte wird von der Bahn Abschied genommen, man traf sich zum Gruppenfoto an der IV K. Es war der letzte Zug... 1951

Das Bild unten zeigt den Abbauzug mit der IV K 99 555 ( heute Nr. 145 ) bei Goßdorf-Kohlmühle, 1951.  Archiv: Axel Förster


Die Bahn und der Verein heute

Die Trasse der Schwarzbachbahn ist bis heute weitgehend unverbaut erhalten geblieben. Nur ein kurzer Abschnitt zwischen Oberehrenberg und Hohnstein wird heute landwirtschaftlich genutzt. Zwischen Lohsdorf und Goßdorf-Kohlmühle verläuft heute ein Wanderweg, der auch teilweise die Trasse der ehemaligen Bahn nutzt. So bekommt man auf diesem Wege auch die beiden sehr gut erhaltenen Tunnel zu Gesicht. Auch die aus Beton gefertigten Bogenbrücken zeigen heute kaum Korrosionsschäden. Fotos vom heutigen Streckenzustand finden sie auch in der Fotogalerie unten!

Der Verein Schwarzbachbahn e.V. wurde im Jahr 1995 gegründet. Er verfolgt das Ziel, die Schmalspurbahn Goßdorf-Kohlmühle-Hohnstein zumindest teilweise wieder aufzubauen. Im August 2011 wurde mit dem dritten Bahnhofsfest der originalgetreue Wiederaufbau des Bahnhofs Lohsdorf gefeiert. Zudem wurden einige Meter Ausziehgleis Richtung Hohnstein verlegt. So konnte die IV K Nr. 145 ( 99 555 ) 60 Jahre nachdem sie den Abbauzug durch das Tal zog endlich wieder zeigen wie schön diese Strecke einst gewesen ist. Das nächste Ziel ist der Etappenweise Aufbau Richtung Kohlmühle. Natürlich geht das in der heutigen Zeit nicht ohne viel Aufwand und Bürokratie. So muss z.B. der Wanderweg im Schwarzbachtal verlegt werden, bevor überhaupt an einen erneuten Gleisbau gedacht werden kann. Wünschen wir dem Verein für diese Ziele alles Gute!


Die Schwarzbachbahn heute


20 Jähriges Bestehen 2015

 

Im Jahr 2015 feiert der Schwarzbachbahn e.V. sein 20jähriges Vereinsjubiläum. Zum großen Bahnhofsfest Ende August wurde aus diesem Grund eine stilechte Zuggarnitur aus der Zeit der Königlich Sächsischen Staatsbahn auf die Gleise nach Lohsdorf überführt. Neben der IK No.54 kamen zwei Wagen des Sachsenzuges aus Zittau. Ebenfalls pünktlich zum Fest konnte der Vereinseigene frisch restaurierte Zugführerwagen K2009 präsentiert werden.

Erstmalig gab es in diesem Jahr eine organisierte Nachtfotoveranstaltung. Vor allem durch die gute Vorbereitung von Vereinsseite konnten nun erstmalig Motive umgesetzt werden, die zuvor nie möglich waren. In einer lauen Vollmond-Sommernacht entstanden unvergessliche Bilder, die den alten "Bimmelheinrich" wieder sehr lebendig werden ließen. In der nachfolgenden Fotogalerie einige Eindrücke davon...


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Kommentare: 3
  • #1

    Marko T. (Samstag, 18 Februar 2017 23:34)

    Danke Jens!
    Tolle Fotos und auf weitere schöne gemeinsame Aktionen im Schwarzbachtal :)

  • #2

    D.B. (Samstag, 10 August 2019 19:13)

    Tolle Fotos und dann hoffen wir halt erstmal auf das Erreichen des Bahnhofes in Unterehrenberg.

  • #3

    Jens Vogel (Samstag, 10 August 2019 22:45)

    Ich denke dieses Ziel wird schon sehr bald erreicht sein ;-)